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»Willkommen im Club«. Disco? Auch! Aber das vierte Mia.-Album ist mehr, als nur eine Einladung zum Tanzen. Es tanzt. Aber es denkt auch. Es macht sich Gedanken. Es hat eine weiche Seele und einen klugen Kopf. Und der Club in den es uns einlädt, ist keineswegs Elitär, sondern eine offener Raum für offene und wahrhaftige Menschen. Eine Spielwiese. Ein Club voller ungeschickter Enthusiasten, leiser Zuhörer und lauter Freunde. Ein Raum voller Trost suchender und Liebe findender dummer Jungs und starker Frauen. Und umgekehrt.
In den Liedern von »Willkommen im Club« steckt viel Musik aus den ersten drei Mia.-Alben. Aber es wiederholt sich nichts. Es ist vielmehr eine Reflexion und Weiterführung der klingenden Vergangenheit. »Willkommen im Club« ist weniger theatralisch als »Zirkus« und gerade deshalb sehr emotional. Es ist weniger politisch als »Stille Post« und gerade deshalb so ambitioniert und es hat die harsche Geradlinigkeit von »Hieb- und Stichfest« gegen krumme Komplexität getauscht. Dabei verteilen sich die vielen Facetten der Musik von Mia. nicht, wie bei einem Mixtape, auf verschiedene Songs, sondern man hat man das Gefühl, dass alle Gesichter dieser Band in jedem Song zu sehen sind. Diese Kombination macht die Musik von Mia. endgültig zum Unikat. Niemand macht so etwas. Es ist Mia.-Musik.
Alle Songs und Extras auf dem Album »Willkommen im Club« von Mia.:
1. Kapitän
2. Mein Freund
3. Mausen
4. Du
5. 100 Prozent
6. Magisch
7. Deinetwegen
8. Verfolger
9. Glücksstern
10. Halt Still
11. Die Aussicht
Mit jedem Album sind Mia. bis jetzt ein Stück eingängiger geworden, ohne dadurch ihren unverwechselbaren Sound grundlegend in Frage zu stellen. Auch mit »Willkommen im Club«, dem Nachfolgealbum von »Zirkus«, mit dem der Band 2006 endgültig der Durchbruch gelang, tritt die Gruppe aus Berlin nicht auf der Stelle. Musikalisch vollführen Sängerin Mieze und ihre vier Mitstreiter auf den elf neuen Songs eine gelungene Gradwanderung zwischen Pop, Rock und Disco.
Trotzdem klingt jeder Track nach wie vor zu 100 Prozent nach Mia., inklusive der gewohnt frechen und offenherzigen Texte. Die Band zaubert auch diesmal wieder einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel, allen voran die bereits als Single veröffentlichte Nummer Mein Freund, die Mia. wieder einmal von der besten Seite zeigt. Bei ihren Bemühungen, sich kontinuierlich weiter zu entwickeln, ist das Quintett auch diesmal wieder ein großes Stück vorangekommen.
Dass mancher Fan früherer Tage ihnen die Eingängigkeit von Stücken wie »Du« oder »Magisch« dabei ein wenig verübelt, dürften sie verschmerzen können. Natürlich ist Willkommen im Club nicht so politisch ausgefallen wie das zweite Album Stille Post, aber Mia. haben noch immer eine Menge Relevantes zu erzählen, sie verpacken ihre Botschaften 2008 nur deutlich subtiler, wie zum Beispiel beim Titel »Mausen«, einem der besten Songs ihres vierten Longplayers. Vieles dreht sich inhaltlich diesmal um private Angelegenheiten, was aber die Relevanz ihrer Musik insgesamt nicht im geringsten schmälert.
(Norbert Schiegl, Amazon )
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