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Mit seinen letzten beiden Alben, »Electro Ghetto« (2004) und »Staatsfeind Nr. 1« (2005), avancierte Bushido zum erfolgreichsten Rapper in Deutschland. Mit »Von der Skyline zum Bordstein zurück« liefert er eine gewohnt kompromisslose Standortbestimmung ab.
Als Fortsetzung des 2003 erschienenen Albums »Vom Bordstein bis zur Skyline« ist Bushidos neues Album nicht gedacht. Der Rapper aus Berlin, der trotz seiner Erfolge nach wie vor wegen seiner harten, ungeschminkten Texte für viele ein rotes Tuch ist, zieht auf »Von der Skyline zum Bordstein zurück« Bilanz. Und die fällt erwartungsgemäß nicht besonders positiv aus, denn Bushido weiß, dass er trotz seiner Goldauszeichnungen immer ein Außenseiter bleiben wird. »Ich habe mir das alles angeschaut, von der Echo-Verleihung bis zur Aftershow-Party«, erklärt er. »Alles ganz amüsant, doch ich bleibe dort wohl der ewige Outsider.« Dazu muss er sich nicht einmal, wie im Eröffnungssong, selbst zum unbesiegbaren »Universal Soldier« stilisieren. Mit seinen ungeschminkten Reimen in Songs wie »Wenn ein Gangsta weint« oder »Hast Du was bist Du was« sorgt er weiterhin für ausreichend Zündstoff. Musikalisch verzichtet Bushido auf Verzierungen und Ausschmückungen. Bis auf zwei Tracks, bei denen Kingsize Regie führte, hat er alle Stücke selbst produziert. Auch auf Gastbeiträge befreundeter Rapper aus der Ersguterjunge-Posse wartet man vergebens.
»Von der Skyline zum Bordstein zurück« ist Bushido pur. Entsprechend ungefiltert prasseln die Sounds, Beats und Reime auf den Hörer ein. »Bereits im Vorfeld der Produktion stand fest, dass ich diesmal kein Teamwork mehr wollte«, sagt Bushido: »Weder innerhalb noch außerhalb meiner Label-Crew.« Geschadet hat diese Selbstbeschränkung nicht. Bushido überzeugt auch im Alleingang mit provokanten Reimen und düsteren Sounds. »Ich zeige mit dieser Platte, dass ich jederzeit wieder zum Ausgangspunkt zurückgehen und neu anfangen kann.« Solange dabei Songs wie »Sonnenbank Flavour« oder das mit unheilsschwangeren Streicherklängen unterlegte »Kurt Cobain« herauskommen, muss man sich um Deutschlands Rapper Nr. 1 keine Sorgen machen.
(Musikwoche.de)
Mit »Von der Skyline zum Bordstein zurück«, dem vierten Album in vier Jahren, ist für Bushido die Zeit für eine grundsätzliche Positionsbestimmung gekommen: Wo stehe ich? Wohin geht die Reise? Das Ergebnis ist ein programmatischer Titel und eine klare musikalische Ansage: Keine Gäste, keine Features, keine Tricks!
Zwischen Frühjahr 2003 und Herbst 2006 hat Bushido ein immenses Arbeitstempo hingelegt. Wenn er nicht gerade irgendwo auf einer Bühne stand, war er – neben seinen eigenen Platten – mit diversen Compilations, Produktionsjobs oder Gast-Raps beschäftigt. Eine Zeit auch, in der er mit großer Klappe und eigenen Ansichten zur kontroversen Medienfigur wurde. Dabei war es vom verfemten »Rüpel-Rapper« zum authentischen Schulhof-Schlichter nur ein bemerkenswert kleiner Schritt. Erst jüngst hatte er die (zweifelhafte?) Ehre, in den Hauptschulen der Republik für ein besseres Klima zwischen Lehrkörper und den unverbesserlichen 10as dieser Welt zu sorgen. Im Schlepptau Kommunalpolitiker und Journalisten. Bushido an allen Fronten.
Nun also die Besinnung auf die eigenen Stärken als Musiker – und sonst gar nichts. »Bereits im Vorfeld der Produktion stand fest, dass ich diesmal kein Teamwork wollte wie bisher« sagt Bushido. »Weder innerhalb noch außerhalb meiner Label-Crew. Stattdessen hatte ich mich mit Kingsize bereits auf eine Zusammenarbeit im Studio geeinigt. Doch er war im Frühjahr noch mit Eko Fresh in Köln beschäftigt. Also habe ich mich mit dem Akai MPC ins dortige Hyatt-Hotel eingemietet. Hier wurde dann eine kleine Gesangskabine installiert und so konnte ich schon mal die ersten Raps aufnehmen.« Es war sein Kumpel Eko, der ihn darin bestärkte, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen. »Eko meinte nur, mach’ das komplett alleine« erinnert sich Bushido.
Gesagt, getan. Und so entstanden 22 Tracks in Eigenregie, vorbereitet im Kölner Hotelzimmer und final produziert im heimischen Berliner Studio. »Ok, Stickle hat ein paar Scratches beigesteuert. Das war´s aber auch schon«, sagt er. Kingsize, der nominelle Beatmeister von Ekos GermanDream-Label, wurde auf diese Weise zum einzigen Mitarbeiter. »Zwischen uns war von vorn herein klar, dass ich für dieses Mal keinen klassischen Produzenten mit eigener Vision wollte. Meine Herausforderung bestand darin, meinen Sound für 2006 zu definieren. Ohne Einflüsse oder Kompromisse. Und das hat Yunus – alias Kingsize – bestens umgesetzt.«
Wenn Bushido dabei ganz bewusst seinen 2003er-Albumtitel »Vom Bordstein bis zur Skyline« auf den Kopf stellt, dann versteht er das keineswegs als nostalgische Heimkehr. Die alten Zeiten sind passé. Eine falsche »Ghetto«-Romantik ist nicht sein Ding; die Welt der VIPs und Showsternchen allerdings auch nicht. »Ich habe mir das alles angeschaut, von der Echo-Verleihung bis zur Aftershow-Party« sagt er. »Alles ganz amüsant; doch ich bleibe dort wohl der ewige Outsider. Selbst nach dem Gewinn des Echo-Live-Awards wurde ich später komisch gemustert. So nach dem Motto: Was will der denn hier?»
Bushido entwickelt stattdessen seine musikalischen Skills weiter und stellt klar, dass ihm die großen und kleinen Skandale, die Goldenen Schallplatten und ausverkauften Tourneen nicht über den Kopf gewachsen sind. »Ich habe gezeigt, dass ich jeder Zeit wieder zum Ausgangspunkt zurück gehen und neu anfangen kann«. Nicht umsonst fixiert er im programmatischen Song »11. September« die Kreuzberger Katzbachstraße als seine aktuelle Homebase und vermischt in diesem furiosen Rap große Weltpolitik mit dem eigenen (Outlaw-)Selbstgefühl. Politisch unkorrekte, harte Tracks wie »Weißt du« gehören genauso dazu, wie das deprimierende Alltagsdrama »Janine« über ein vom Vater missbrauchtes Teenie-Mädchen.
»Sie ist keine, die Nägel lackiert, sondern eher eine, die Schläge kassiert.« Eine Geschichte übrigens, die Bushido aufgrund einer authentischen News-Meldung zum Rap-Text machte. Vom Märchen-Erzähler-Intro (»Willkommen am Futtertrog, Sohn!«) über die Single-Auskopplung »Von der Skyline zum Bordstein zurück« entfaltet »Der mit dem Zahnstocher« (Bushido über Bushido) ein weites Soundspektrum. Düstere Atmosphären und komplexe Beats. Vielfältiger als jemals zuvor experimentiert Bushido mit Wort- und Satzfetzen herum und fügt sie zum »Sonnenbank Flavour« wieder zusammen. Wenn man so will eine Dada-Version des klassischen Diss-Tracks. Oder auch eine Reim-Collage über Rap im Mediensturm. Bushido setzt neue Standards.
Und wenn Bushido heute sagt, dass er rückblickend gut auf seine außermusikalischen Extratouren – Untersuchungshaft in Österreich, Anzeigen wegen Volksverhetzung, Streitereien innerhalb der Szene – verzichten könne, dann glaubt man ihm das gerne. »Das wäre vielleicht für Kids und Medien weniger interessant gewesen, aber auch ohne diesen ganzen Stress wäre meine Musik trotzdem entstanden.« Zum abgeklärten Großmeister der Sampler und Mischpulte ist er jedoch auch im Spätsommer 2006 nicht geworden: »Naja, auch auf diesem Album sind wieder zwei, drei, vier Textstellen, wo ich mich absichtlich in eine erneute Diskussion begebe.« Der Bordstein fordert weiterhin seinen Tribut.
(Universal Music)
Bushido hat allen Grund, trotz aller Anfeindungen aus der HipHop-Szene, stolz auf seine Erfolge sein. Mit seinen letzten beiden Alben »Electro Ghetto« und »Staatsfeind Nr. 1« avancierte er zum erfolgreichsten Rapper in Deutschland, ohne auch nur einen Zentimeter von seinem Weg abzuweichen. Und auch bei »VDSZBZ – Von der Skyline zum Bordstein zurück« kann man ihm schwerlich unterstellen, mit aller Macht auf eine Verbreiterung seiner Fanbasis aus zu sein. Sonst hätte er das Album nicht mehr oder weniger im Alleingang eingespielt. Nur sein Kumpel Kingsize produzierte zwei Tracks der Platte und half Bushido im Studio bei der Umsetzung seiner Ideen.
»VDSZBZ – Von der Skyline zum Bordstein zurück« ist das wohl ehrlichste und zugleich auch kompakteste Album des Rappers aus Berlin, der von sich selbst sagt, das er wohl für immer der »ewige Outsider« bleiben wird. Doch damit hat Bushido schon lange kein Problem mehr. Angereichert mit düsteren Sounds und geradlinigen Beats erzählt er in Stücken wie »Sonnenbank Flavour« oder »Kurt Cobian« wie gewohnt in recht drastischen Worten von seiner Welt. Und muss er sich nicht einmal, wie im Eröffnungssong, selbst zum unbesiegbaren »Universal Soldier« stilisieren.
Mit seinen oft drastischen Sprachbildern sorgte er in Songs wie »Wenn ein Gangsta weint« oder »Hast Du was bist Du was« weiterhin für ausreichend Zündstoff. Der Verzicht auf Gastfeatures erweist sich auf lange Sicht als genialer Schachzug, weil Bushido mit jedem weiteren Song mehr und mehr zu sich selbst findet. Auch wenn er sicher nicht zu den virtuosesten Rappern in Deutschland zählt, weiß er doch sehr genau, wie er mit seiner Stimme die größte Wirkung erzielt. Das manche Aussage dabei bewusst provokant formuliert ist, gehört dabei genauso zum »Spiel«, wie die immer wieder in den Vordergrund drängenden Gewaltphantasien in Tracks wie »Dealer vom Block« oder »Alphatier«.
(Norbert Schiegl, Amazon )
Alle Songs und Extras auf dem Album »Von der Skyline zum Bordstein zurück – VDSZBZ« von Bushido:
1. Intro – Von der Skyline zum Bordstein zurück
2. Universal Soldier
3. Weißt Du?
4. Goldrapper
5. Sonnenbank Flavour
6. Kurt Cobain
7. Wenn ein Gangster weint
8. Ich schlafe ein
9. Hast Du was bist Du was
10. Alphatier
11. Bloodsport
12. Sex in the city
13. Dealer vom Block
14. Bravo Cover
15. Ich regele das
16. Kickboxer
17. Blaues Licht
18. Janine
19. Kein Fenster
20. Von der Skyline zum Bordstein zurück – Album Version
21. Outro – Von der Skyline zum Bordstein zurück
Die Doppel-CD »VDSZBZ – Von der Skyline zum Bordstein zurück – Limited Platinum Edition« enthält alle 21 o.g. Songs und zusätzlich Bushidos Debütalbum »VBBZS – Vom Bordstein bis zur Skyline«.
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