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Die Dresdner Jungs haben mit ihrem Zweitwerk einen großen Schritt gemacht – und zwar Richtung Pop. Wo auf dem Debüt Postrockmelodien und frickelige Beats vorherrschten, ertönen nun Hymnen und Discobeats; wo vereinzelte Streicher fiedelten, trumpft nun das Filmorchester Babelsberg auf. Polarkreis 18 haben die ganz große Geste entdeckt. Dabei schrammen sie in den zehn Songs nicht selten an der Grenze zu Schmalz und Pathos entlang.
Aber überschritten wird sie nie, denn hinter großen Melodien lauert ein wilder Mix aus sanften Pianos, Gitarrenwänden und Blubberbeats. Mario Thaler (The Notwist) und Jochen Naaf (PeterLicht) haben diesem Wahnwitz den letzten Schliff verpasst, Sänger Felix Räubers Falsett haucht dem Ganzen Seele ein. Dennoch werden einige Fans diesen Schritt der Band in Richtung Überschwang nicht mitgehen. Macht aber nichts. Dafür verteidigen Polarkreis 18 ihren Ruf als innovatiste Nachwuchsband des Landes.
(Kulturnews)
Alle Songs und Extras auf dem Album »The Colour Of Snow« von Polarkreis 18:
1. Tourist
2. Allein Allein
3. Prisoner
4. Untitled Picture
5. The Colour Of Snow
6. 130/70
7. Rainhouse
8. River Loves The Ocean
9. Name On My ID
10. Happy Go Lucky
Polarkreis überlassen anscheinend nichts dem Zufall. Auf ihrem zweiten Album The Colour Of Snow präsentiert sich die vielköpfige Gruppe aus Dresden von Klangästhetik bis zum Outfit als durchgestyltes Gesamtkunstobjekt. Die Entwicklung zu einem internationalen und damit nie nach Deutschland einordbaren Sound vollzog sich rasant. Bevor sich Polarkreis 18 im Jahre 2004 gründeten, entdeckten die beiden Blur-Fans Sänger Felix Räuber und Keyboarder Bernhard Wenzel Indie-Künstler wie Tortoise, Aphex Twin, Radiohead oder Sigur Rós für sich.
Doch mehr als Garagenpunk – plus Schreigesang – konnten die beiden 1997 mit ihren Instrumenten noch nicht spielen. Dann begann die Tüftele, sie legten Spur auf Spur, bis der PC-generierten Musik das Leben ausging. Erst weitere Mitglieder ließen Polarkreis 18 zu einer richtigen Gruppe werden, auch weil die Songs nun eine neue Dynamik bekamen. Der Weg zum Erfolg war frei, vorbei die Zeiten mit 25 Besuchern bei Konzerten. War dass selbstbetitelte Debüt Polarkreis 18 schon eine gereifte Mischung aus Pop-Melodien, integrierten Break-Beats, elegisch-wehmütigen Klang-Epen, Streicherarrangements und Gitarren-Ausbrüchen, so schwenkt der Nachfolger direkt und mit Hochgeschwindigkeit Richtung Mainstream.
Der Albumtitel »The Colour Of Snow«, der Bandname und die Hives-mäßige weiße Klamottenoptik suggerieren Kühle und stehen trotz des kristallklaren, krispen Sounds doch in Kontrast zu der eher warmen und emotionalen Musik. Bohrt man nun aber tiefer, tauchen Probleme auf. Ein Track wie die potentielle Hitsingle Allein Allein mit seinen überbordenden Arrangements uns Eurodisco-Beats ist nicht unbewusst entstanden, der Song WILL einen anspringen, er giert nach Anerkennung und Radio-Airplay. Wo die immer wieder als Vergleich herangezogenen Sigur Rós mystisch, spinnert und unnahbar daherkommen, damit eine Nachhaltigkeit erreichten, da fehlt es dem Sextett aus Sachsen an Tiefe. Das von Mario Thaler (Notwist) und Jochen Naaf (PeterLicht) unter Mithilfe von Streichern produzierte Album klingt perfekt und international konkurrenzfähig, es macht einem den Zugang sogar außerordentlich leicht. Aber es will einfach nicht berühren, es nimmt einen nicht an unbekannte Orte mit.
(Sven Niechziol, Amazon )
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