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Alle Songs und Extras auf dem Album »Teilzeithippie« von Annett Louisan:
1. Das schlechte Gewissen
2. Sexy Loverboy
3. Gekommen um zu sagen
4. Die Siezgelegenheit
5. Ich brauch Stoff
6. Die nächste Liebe meines Lebens
7. Wir nicht
8. Drück die 1
9. Teilzeithippie
10. Gedanken lesen
11. Ich bin dagegen
12. Je später der Abend
13. Auf dich hab ich gewartet
Alle Bonustracks auf dem Doppel-Album »Teilzeithippie (Limited Edition)« von Annett Louisan:
1. More Than You Should Know
2. Silver Lady
3. Mama will ins Netz
4. Der Depp
5. Drück die 1 (Videoclip)
Die Ästhetik, aus der sich eine gute Portion von Annett Louisans Erfolg speist, ist in einer Zeit angesiedelt, in der man hierzulande noch von Langspielplatten redete und eine stringente, in sich geschlossene Kollektion von Liedern meinte. Zeitlosigkeit darf und muss man der 31Jährigen aber vor allem für ihr viertes Album attestieren. Allerdings, und das ist eine der Neuerungen nach drei Erfolgs-Alben und mehr als einer Million verkaufter Tonträger, hält sie nicht mehr am Pop-Chanson fest. Neu gefundene Nonchalance muss die Prämisse für Teilzeithippie gewesen sein.
Sowohl im äußerlichen Erscheinungsbild der Louisan, wie auch inhaltlich und vor allem persönlich – hin zum formvollendeten Popsong, der weniger den Kopf, als mehr den Bauch stimuliert. Eine wieder gefundene Leichtigkeit zieht sich durch ihre Vision des Umgangs mit deutscher Sprache im Pop-Kontext. Wenn man so will, ist sie mit Teilzeithippie zurückgekehrt zu ihren Wurzeln. Zu der Frau und zu dem Mädchen, die sich in ihrer Person immer noch vermischen. Indizien dafür liefert gleich die Eröffnungsnummer des neuen Albums, Das schlechte Gewissen mit seiner Anspielung auf Louisans bislang größten Single-Hit Das Spiel. Die thematische Verzahnung zur Komposition von Gunnar Graewert Gekommen um zu sagen ist kein Zufall; schließt sie doch mit der Erkenntnis ab, dass Sesshaftigkeit letztlich nur kurzzeitiges Glück bedeutet.
Ist Teilzeithippie von Hedonismus geprägt? Unbedingt und in Mengen! Allerdings steckt hinter der hedonistischen Oberfläche ein grundempathischer Mensch, der dem Sexy Loverboy in swingender, bittersüßer Country-Taktung Tipps für die Zeit danach mit auf den Weg gibt. Das Spiel mit Scham und Hemmungen unterstreicht der von ihrem langjährigen Komponisten Hardy Kayser geschriebene Kaffeehaus-Shuffle Die Siezgelegenheit mit der Feststellung, dass es schön ist, rot zu werden, wenn jemand einem etwas Anzügliches sagt. Annett Louisans Stimme klingt darin als immer noch tragendes Element jedes ihrer Lieder, nicht mehr so unverschämt in den Vordergrund gemischt, sondern macht Platz für ein breiteres Melodien- und Rhythmus-Verständnis, das weit über den Tellerrand europäischer Spielweisen hinweg Ausschau hält.
Wie wohltuend, dass Annett Louisan und ihr Texter und Produzent Frank Ramond ihre kollektiven Eigenarten diesmal noch stärker ausleuchten. Inhaltlich wie musikalisch. Eine neue Lockerheit hat Einzug gehalten und manifestiert sich in der Konsumzwang-Parodie Ich brauch Stoff im umherstolzierenden Bläser-Arrangement, dem Louisan mit Breitwand-Pop-Refrain zusätzliche Ironie verleiht und in Die nächste Liebe meines Lebens mit einer fast schon crooner-artigen gesanglichen Lässigkeit. Die Musik ist offensiver und vom Formellen befreit worden, wie die aufgegriffene Beat-Revolution der Sixties in Ich bin dagegen unterstreicht.
Wie viel Revolution im Zeitalter der digitalen Terminkalender möglich ist, wenn man nur hip sein kann, wenn man gerade mal nicht brav und folgsam ist, findet im Titelsong Teilzeithippie seinen Ausdruck, dessen Musik vom Gast der letzten Annett Louisan-Tour, Martin Galopp, komponiert worden ist. In die Musik des Kanadiers ist auch das bislang schönste Liebeslied Louisans eingebettet, das nach allen Ausprobierens in Sachen Liebe und Sex, Nähe und Distanz, mit der Erkenntnis Auf dich hab ich gewartet endet. Die erste Single des neuen Albums, ist das von Alexander Zuckowski komponierte Drück die 1.
(105 Music)
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