|
|
|
Die Dreifaltigkeit des deutschen Hip-Hops tanzt auf dem Vulkan Drei Jahre nach dem Chart-Stürmer Am Wasser gebaut melden sich Doktor Renz, König Boris und Schiffmeister aka Fettes Brot mit einem neuen Album zurück. Auf Strom und Drang tanzt die Dreifaltigkeit des deutschen Hip-Hops auf dem Vulkan, der sich früher Zeitgeist nannte und verletzt nebenbei die religiösen Gefühle der Energiekonzerne.
Wer ist schuld am Klimachaos? Richtig, es sind nicht die schwulen Muslime, die Venture-Katholiken oder die Zen-Faschisten. Nicht die Spaßterroristen oder die strafunmündigen Kinder des endkapitalistischen Zorns. Und auch nicht die große Koalition. Schuld sind – wer sonst? – eure sauberen Spaß-Rapper von nebenan, die letzten lebenden Helden der Mittelklasse im Herzen der Euro-Scholle. Drei Männer, die die Gewalt(en) unserer Zeit so ernst nehmen, dass sie nur darüber lachen können. Denen nichts oder alles heilig ist. Begleiten wir sie auf dieser Reise an das Ende der Nacht, in der sich für Fettes Brot so einiges verschoben hat. Sie sind immer noch die netten Jungs, aber nicht von nebenan, sondern von ganz weit draußen.
(Fettes Brot Schallplatten)
Auf »Am Wasser gebaut«, ihrem letzten Album, überraschte das Trio vor drei Jahren mit ungewohnter stilistischer Offenheit. Auf »Strom und Drang« lassen Fettes Brot jetzt jede Vorsicht fahren und präsentieren ein mitreißendes Album zwischen Pop, HipHop und Elektronik.
Bereits im Dezember letzten Jahr stellte die Band unter dem Namen Bette Frost ihr neues Album in ausgewählten Clubs live vor, unterstützt von einer kompletten Band. Die Reaktionen waren euphorisch und das zu Recht, denn Fettes Brot legen mit »Strom und Drang« ihr bisheriges Meisterwerk vor, das an Vielschichtigkeit kaum zu übertreffen ist. »Wir hätten die Platte auch nicht mehr verändert, wenn die Fans ablehnend reagiert hätten«, erklärt Doktor Renz alias Martin Vandreier. »Es war für uns einfach schön zu sehen«, so Björn Beton alias Björn Warns, »wie die Leute auf die Musik abgehen, obwohl sie die Songs gar nicht kannten.« Das wichtigste für Fettes Brot war im Vorfeld der Aufnahmen, von jeder eigenen Erwartungshaltung Abstand zu nehmen. »Wir können das inzwischen sehr gut«, erzählt König Boris alias Boris Lauterbach. »Wir sind ins Studio gegangen, weil wir einfach wieder Lust hatten Musik zu machen.«
An ein neues Album hat zu diesem Zeitpunkt keiner der drei konkret gedacht. »Erst nach und nach ist uns bewusst geworden, dass wir gerade dabei sind, eine neue Platte einzuspielen«, so König Boris. »Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, wie man es schaffen kann, sich selbst und die Leute da draußen noch zu überraschen.« Und genau das ist Fettes Brot mit »Strom und Drang« perfekt gelungen. »Wir wollten eben nicht zu einem Dienstleister werden, der eine gewisse Erwartungshaltung befriedigt.« Davon ist das Trio in den elf neuen Songs weiter denn je entfernt. Auch nach 16 Jahren im Musikbusiness sind Fettes Brot die Ideen nicht ausgegangen, was man schon bei der in den letzten Wochen vieldiskutierten Single »Bettina, zieh dir bitte etwas an« hören konnte, bei der die Gruppe eng mit den Berliner Elektronikspezialisten von Modeselektor zusammengearbeitet haben.
Auch bei dem mit gesanglicher Hilfe von Mietze (Mia.) eingespielten Song »Das traurigste Mädchen der ganzen Stadt« funktionierte die Arbeitsteilung zwischen Band und Gast perfekt. »Es gab durchaus Momente, wo wir uns selbst dabei ertappt haben, etwas eingespielt zu haben, das eben typisch nach Fettes Brot klang und das haben wir dann gleich wieder verworfen«, erklärt Doktor Renz. »Wir haben oft gleichzeitig mit verschiedenen Produzenten und Musikern an unterschiedlichen Songs gearbeitet und uns dabei immer wieder rückversichert, ob die bisherigen Stücke auch nach ein paar Tagen noch gut klangen.« Oft war es bei den Aufnahmesessions so, dass gerade die ursprünglichen Ideen sich als die besten herausstellten, wie alle drei betonen. »Es kam uns darauf an, diesen magischen Moment einzufangen, auch wenn es vielleicht nicht perfekt klingt.« Mit dem gleichen Enthusiasmus betreibt die Band auch ihr eigenes Label Fettes Brot Schallplatten. »Wir haben zwar von Anfang an ganz gute Erfahrungen mit unseren Labels gemacht«, erzählt König Boris, »aber mit einer eigenen Firma ist man natürlich viel wendiger und kann schneller reagieren. Für uns war es einfach der logische Schritt diesen Weg zu gehen. Unser direktes Umfeld hat sich dadurch kaum verändert, denn wir arbeiten zum großen Teil noch immer mit den gleichen Leuten wie damals zusammen.«
(Musikwoche.de)
Alle Songs und Extras auf dem Album »Strom und Drang« von Fettes Brot:
1. Lieber verbrennen als erfrieren
2. Bettina, zieh dir bitte etwas an
3. Das traurigste Mädchen der Stadt
4. Erdbeben (in Deutschland geht der Beat um)
5. Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich
6. Ich lass dich nicht los
7. Das allererste Mal
8. Schieb es auf die Brote
9. Automatikpistole
10. 1 Euro Blues
11. Hörst du mich?
» Amazon-Direktlinks: Alle Infos zu
Fettes Brot und
Strom und Drang
bei Amazon.de ansehen.
|