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An Duffy, der 23-jährigen Sängerin und Songschreiberin aus London, ist alles retro: die Frisur, der schwelgerische Gesang irgendwo zwischen Dusty Springfield und Carmel, die Produktion. Für die hat Bernard Butler, Ex-Gitarrist von Suede, in die Vollen gegriffen. Zum einen musikhistorisch: In »Hanging on too long« klingt vage »I heard it through the Grapevine« an, »Mercy« beginnt mit einem simplen elektrifizierten Bassthema, dessen Genealogie bis zu Ben E. Kings »Stand by me« zurückreicht. Doch Butler legt diese halbverwehten Spuren in ferne Zeiten nonchalant an, nicht eitel. Viel wichtiger ist es ihm, den erstaunlich kraftvollen Sopran der gebürtigen Waliserin immer mal wieder von einem Streichermeer auf Sturmflutniveau überschwappen zu lassen, das bisweilen an Phil Spectors ozeanischen Sound aus den 60ern erinnert. Und Duffy stürzt sich hinein mit ihrer wasserstoffblonden Mähne, als gäbe es kein Morgen. Das ganze Album ist so herrlich altbacken, so pathetisch, so wunderbar uncool, dass Duffy in England logischerweise zur Sensation der Saison wurde. Bestimmt auch bei uns. (kulturnews.de)
Es gehört nicht besonders viel Fantasie und Mut dazu, Duffy eine ähnlich steile Karriere wie Amy Winehouse vorherzusagen. Die Sängerin, geboren im Norden von Wales, verfügt nicht nur über eine markante, extrem ausdrucksstarke Stimme sondern auch über eine außergewöhnliche Ausstrahlung, der man sich kaum entziehen kann. Bereits der Titelsong, »Rockferry«, der das Album standesgemäß eröffnet, ist pure Magie. Und in der gleichen Preisklasse bewegen sich auch die restlichen neun Nummern, die die 1984 geborene Aimee Anne Duffy mit Hilfe von Bernard Butler, dem ehemaligen Gitarristen von Suede, sowie Jimmy Hogarth und Steve Booker einspielte. Die drei Produzenten und Songwriter ergänzen sich nicht nur hervorragend, sie haben auch genau verstanden, wie man Duffy perfekt in Szene setzt.
Die Songs, allen voran das mit samtweichen Streichersounds veredelte »Warwick Avenue«, klingen nie überfrachtet und lassen ihr genug Raum, ihre wundervolle Stimme in allen Facetten zu entfalten. Einen Schwachpunkt wird man auf Rockferry vergeblich suchen. Mit ihrem modernen Retrosound, der durchaus gewollt immer wieder Erinnerungen an die klassischen Girlgroups der sechziger Jahre und Künstlerinnen wie Dusty Springfield wach ruft, liegt sie absolut auf der Höhe der Zeit. Dabei spielt es absolut keine Rolle ob sie nun Balladen wie »Hanging On Too Long« singt, oder sich in geschmeidig groovenden Uptempo-Nummern wie »Mercy« buchstäblich die Seele aus dem Leib singt. Das Ergebnis ist immer absolut umwerfend.
(Norbert Schiegl, Amazon )
Alle Songs und Extras auf dem Album »Rockferry« von Duffy:
1. Rockferry
2. Warwick Avenue
3. Serious
4. Stepping Stone
5. Syrup & Honey
6. Hanging On Too Long
7. Mercy
8. Delayed Devotion
9. Scared
10. Distant Dreamer
Die Single »Mercy« hielt sich einige Wochen in den britischen Charts. »Rockferry«, das Debüt der 23-jährigen Sängerin Duffy, kam in Großbritannien im März 2008 in den Handel. Das deutsche Publikum musste noch einen Monat länger auf das Popalbum des Jahres 2008 warten.
»Ich wusste schon mit sechs, dass ich mal Sängerin werden wollte. Aber ich bin nie im rosa Kostüm durchs Haus getanzt oder habe Karaoke gesungen. Festspiele oder Jahrmärkte waren nie mein Ding«, erzählt Aimee (Amy) Anne Duffy, die sich Bescheidenheit und Introvertiertheit ihrer Kindheit und Jugend bewahrt zu haben scheint, obwohl sie schon an der Schwelle zum ganz großen Ruhm steht. Für die britischen Medien ist sie jedenfalls schon jetzt die Entdeckung des Jahres. Man vergleicht sie zum Beispiel mit Dusty Springfield, die 1966 mit dem Album »Dusty In Memphis« den Stax-Soul-Sound assimilierte – was Duffy so kommentiert: »Diesen Vergleich habe ich nicht verdient, obwohl er mich natürlich überhaupt nicht stört. Aber wie kann ein Mädchen aus Wales wie ich überhaupt neben einer großen Künstlerin wie ihr bestehen?« Wer das Debütalbum der Sängerin und Songwriterin aus der 2550-Seelen-Gemeinde Nefyn in Nordwales gehört hat, wird indes auf Anhieb mindestens zehn gute Gründe finden, warum sich Duffy vor ihrer legendären Kollegin nicht zu verstecken braucht. Denn jeder Song auf diesem Album ist ein Meisterstück und ein Beleg für Duffys Können.
Produziert hat Bernard Butler, der ehemalige Gitarrist der Gruppe Suede, und er verstand es, die Retro-Elemente der Songs mit dem eigenen coolen Duffy-Flair ideal zur Deckung zu bringen. Vom getragenen Titelstück als Opener bis zum großen Finale mit »Distant Dreamer« stimmt jede Zutat: orchestraler Sound mit Streichern und Bläsern, innige Soulnummern wie »Syrup & Honey«, verträumte Balladen wie »Warwick Avenue« oder die Single »Mercy«, die an Sängerin Carmel erinnert. Butler lernte Duffy über Jeanette Lee und Geoff Travis, die Gründer von Rough Trade, kennen, die »sofort hingerissen von dieser erstaunlichen Stimme« waren, wie Jeanette Lee, jetzt Duffys Managerin, sagt. Aufmerksam wurde sie auf die Sängerin nach deren Auftritt 2003 bei »Waw Ffactor«, der walisischen Ausgabe der Castingshow »X Factor«. Jeanette Lee verschaffte ihrem Schützling einen Vertrag mit A&M, und nach drei Jahren Arbeit legt Duffy nun mit »Rockferry« einen gewaltigen Einstand hin. Sie kann nichts mehr falsch machen. Doch sie bleibt bescheiden: »Dass ich so viel Resonanz bekommen würde, hätte ich nicht erwartet. Alle wollen mich sprechen – aber ehrlich, so interessant bin ich doch gar nicht. Man sollte einfach meine Platte hören, sie sagt alles über mich.«
(Musikwoche.de)
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