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In den 60ern galt er als Wunderkind, mit 16 schon sang er in der Spencer Davis Group den Blues wie ein abgebrühter Lebemann, er gründete eine der innovativsten Fusionbands aller Zeiten, wurde solo zum Popstar, der nicht immer geschmackssicher agierte – und kehrt jetzt stilistisch wieder zurück zu jener Band, die ihn unsterblich machte und er sie: Traffic. Ja, Steve Winwood tut das, was er am besten kann, nämlich Soul, Jazz und Rock zum glosenden Amalgam zu verschmelzen. Zum Beispiel »Raging Sea« mit seiner nervösen Gitarre und Perkussion, dem Schwellen der Orgel, diesem hochspannenden Tappen auf der Klippe und natürlich Winwoods rauem Blue-eyed-Soulgesang: Das klingt wie Traffic – und dennoch modern.
Schon beim ersten Stück (»I´m not drowning«) wird alles klar: Die Akustikgitarre watet im Blues, die Perkussion im Tribalen und die Stimme setzt auf den Soul der Heiserkeit – ein weit gefasstes Terrain, das innerhalb der ersten Minute abgesteckt wird. Winwoods einst bestürzende Vorlieben für daunige Synthieflächen, mit denen er in den 80ern zum Schlafzimmercrooner werden wollte, sind Vergangenheit. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt: Sie stehen auf Soul. Und seine einmalige Auffassung davon, die das Genre nie ohne Jazz und Afrika denken konnte, fehlt wirklich noch im Kanon der Winehouse-Ära. Mit den atemberaubenden Mitteln der Vergangenheit kehrt Steve Winwood fulminant zurück in der Zukunft. Eine echte Überraschung.
(kulturnews.de)
Das Charmante an Steve Winwoods Album »Nine Lives« sind die schon fast altmodische Besetzung mit Orgel, Schlagzeug, Perkussions, Flöte, Gitarren, sowie die entsprechenden Arrangements. Das Cover mit Winwood an der Gitarre täuscht jedoch. Mit Ausnahme von »I´m Not Drowning«, einem fast akustisch gehaltenen klagendem Blues, auf dem Winwood sämtliche Instrumente spielt, beschränkt er sich überwiegend auf kräftige Hammond-Orgel-Läufe und -Improvisationen. Die Gitarre überlässt er Jose Pires de Almeida Neto, bis auf »We´re All Looking«, das am stärksten an alte Traffic-Stücke erinnert und, gemeinsam mit Eric Clapton »Dirty City«, der ein Solo beisteuerte.
Diese erste Single über das Leben in einer tristen Stadt ist ein schönes, rauhes Bluesrock-Stück mit Anleihen bei Cream, vielen Breaks, Refrains und Improvisationen im Stil der späten 60-er. Ähnlich ungeschliffen klingen auch »Raging Sea« mit vielen Jams, das Percussion-lastige »Hungry Man« mit schrägem Saxophon und das jazzige »Secrets»mit einem langen Flötensolo und einem typischen, bombastischen Progrock-Schluss. Winwoods ausgeglichener Gesang kommt vor allem bei den ruhigen Stücken zum Tragen, bei dem folkigen, perkussiven »Fly«, und der bittersüßen Liebesballade »Other Shore«. Alles in allem ein sympathisches, respektables Album, wenn auch kein Jahrhundertwerk.
(Ingeborg Schober, Amazon )
Alle Songs und Extras auf dem Album »Nine Lives« von Steve Winwood:
1. I´m Not Drowning – Album Version
2. Fly – Album Version
3. Raging Sea – Album Version
4. Dirty City – Album Version
5. We´re All Looking – Album Version
6. Hungry Man – Album Version
7. Secrets – Album Version
8. At Times We Do Forget – Album Version
9. Other Shore – Album Version
Alle Bonustracks auf dem Doppel-Album »Nine Lives (CD+DVD)« von Steve Winwood:
1. Nine Lives (Video-DVD)
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