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Alle Songs und Extras auf dem Album »Heureka« von Tomte:
1. Heureka
2. Wie ein Planet
3. Der letzte große Wal
4. Wie siehts aus in Hamburg
5. Voran Voran
6. Küss mich wach, Gloria
7. Es ist so, dass du fehlst
8. & ich wander
9. Du bringst die Stories (ich bring den Wein)
10. Das Orchester spielt einen Walzer
11. Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören
12. Dein Herz sei wild
Thees Uhlmann ist ohne Zweifel einer der besten und stilistisch interessantesten deutschsprachigen Songwriter, auch wenn sein Schaffen immer wieder qualitativen Schwankungen unterworfen ist. »Heureka«, das neue Album seiner Band Tomte klingt über weite Strecken seltsam zaghaft und weit weniger zupackend als noch der vor zwei Jahren erschienene Longplayer Buchstaben über der Stadt. Das liegt mit Sicherheit nicht an den beiden neuen Mitgliedern Simon Frontzek (Keyboards) und Nikolai Potthoff (Bass), die Oliver Koch und Timo Bodenstein ersetzten, und die einen guten Job machen.
Uhlmann hat es zwar nicht verlernt mit bewegender Euphorie über die für ihn wichtigen und bewegenden Themen zu singen, siehe Songs wie »Wie sieht´s aus in Hamburg?« oder das in seiner Zerbrechlichkeit absolut betörende »Es ist so dass du fehlst«, aber irgendwie scheint er mit leicht angezogener Handbremse unterwegs zu sein. Tomte halten sich auf »Heureka« weitgehend an bewährte und erprobte Muster, was in manchen Momenten, zum Beispiel bei »Der letzte große Wal«, sehr schön sein kann, aber zwischendurch immer wieder zu gepflegter Langeweile führt.
Nummern wie »& ich Wander« oder »Du bringst die Stories (Ich bring den Wein)« sind eine Spur zu berechenbar ausgefallen und lassen jedes Überraschungsmoment vermissen. Damit bewegen sich Tomte zwar immer noch weit über dem Durchschnitt, aber an frühere Großtaten kann man damit nicht ganz anknüpfen. Das Schöne und Tröstliche dabei ist aber, dass bereits beim nächsten Album wieder alles ganz anders sein kann und das macht schließlich die Qualität von wirklich großen Bands aus.
(Norbert Schiegl, Amazon )
Ist es wirklich schon so lange her? Die letzte Platte, das letzte Konzert, das letzte Gefühl von Gemeinsamkeit die einen dunklen Raum erfüllt, wenn die Musik stimmt, die Leute um einen herum, und der Typ am Mikrofon zwischen den Songs die richtigen Worte zwischen Wahnsinn und Hoffnung findet?
und man muss seine freude teilen
ohne gnade ohne scham
seit dem tag an dem ich küsste
an dem tag an dem alles begann (heureka)
Selten wurde ein neues Album sehnsüchtiger erwartet. Ein kollektives Warten, wenn man Fans, Musik-Redakteure und Musikerkollegen in den Topf namens musikliebendes Geleut schmeißt. In Zeiten wie diesen bedarf es schon einer gewissen Genialität, wenn man in der Lage ist, Konsens zu schaffen, Begehrlichkeiten zu wecken und ... träumen zu helfen! Das alles haben Tomte geschafft. Und nun? Nun harren wir der neuen Songs von Deutschlands Antwort auf ...ja was eigentlich: einen jungen Iggy Pop Arm in Arm mit Chris Martin nach der gemeinsamen Lektüre aller uns so hochgeschätzten und geehrten irischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts?
Trunken, lyrisch und ein Zeichen unserer Zeit? Ja! Trunken vom Hunger auf Leben, Lyrisch wie keine andere Band es in diesem Land vermag und ein Zeichen unserer Zeit ...weil man Tomte eben nicht erfinden kann, So etwas wie Tomte passiert, kommt über einen und lässt nicht mehr los. Na, wenn das mal kein Zeichen der Zeit ist. Ende der Durchsage! Die Zeit rennt, oder wie Uhlmann zusammen mit Intimus Olli Schulz reimt:»
und du willst die welt verändern
lies ein ganzes jahr die zeit
und die zeit wie olli so gut sagt
weil die zeit sich so beeilt (voran, voran)
Zeit: Nichts ist vergänglicher als die Schlagzeile von gestern oder eine Chartnotierung aus dem letzten Jahr. Alles für´n Arsch, weiter geht´s, aufstehen, nicht verharren, kein Stillstand. Wieder ins Studio, 30 Tage live einspielen, sich beraten, streiten, Dinge ent- und wieder verwerfen.
Und dann, zwischen Trennungen, Miete bezahlen und all den andern schönen Dingen, die wir Leben nennen, ist das Ding im Kasten! Und in all dieser Zeit, die alles hat, nur kein Mitleid, mussten Tomte zwischen dem letzten Album, dem Erfolg und den unzähligen Konzerten einiges verarbeiten. Sind wir noch hungrig? Sind wir noch jung, sexy und geil auf den ganzen Scheiß? Ja! Tomte haben all diese Fragen mit einem großen »Ja!« beantwortet und glaubt man ihnen, sind die Proben so intensiv und von einer herrlichen Ehrlichkeit wie seit gefühlten sieben Jahren nicht mehr. Das Gefühl großes erreichen zu wollen ist der Gewissheit gewichen: Wir werden!
wasch alles weg & lass es ziehen in richtung meer
Die leute lieben scheitern und ich scheitere so sehr
zieh dir etwas hübsches an & halte meine hand
heute abend ist der letzte abend in diesem land (voran voran)
Das Ergebnis all der Zeit in den letzten Monaten ist ein »Wir sind wieder da und noch lange nicht fertig« – Statement, 12 Songs stark und versprühen eine Intensität, die es zu entdecken lohnt und die, bei aller Bescheidenheit, in diesem Land nicht gerade reich gesät ist.
Nackt und rau kommen sie daher. Große, epische vielleicht sogar kantige Songs, die sich wie ein verletzlicher Mantel über den Hörer legen und das Gefühl vermitteln, Tomte hätten sich unbewusst entschieden, nach »Buchstaben über der Stadt« vollständig die Hosen herunter zu lassen. Ja, nackt ist die richtige Umschreibung. Nackt macht verletzlich, naturgemäß aber auch neugierig.
»Hier, das ist mein Leben, meine Gedanken und mein Weg. Nimm mich beim Wort, komm mit!« Bei soviel Charme des Künstlers kommen wir nicht daran vorbei, gehen also mit, hören zu und glauben. Wer Tomte mag, der will glauben ...an den anderen Weg! Den Guten! Von Hunger getrieben zu nehmen, zu geben, zu lernen, zu wissen ... beginnen Tomte kraftvoll und hypnotisch. Und ebenso kraftvoll und treibend geht es weiter.
Fragen und Antworten werden einem da um die Ohren geschmettert, Textzeilen, die einen grübeln lassen, was Uhlmann da wieder für Bilder im Kopf gehabt haben muss ...Und immer wenn man das Gefühl hat, jetzt hab ich ihn, das meint er also, entwischt er einem wieder. Herrlich!
Dabei umschreibt Uhlmann Dinge, die wichtig sind: Neben Aufstehen und Zähneputzen gibt´s da noch die wirklich wichtigen Dinge, die uns am Leben erhalten: Liebe, Hass, trinken, Buße tun, geben und nehmen, Menschen die fehlen, Suchen, Finden und wieder verlieren. Aber Thees wäre nicht Uhlmann, und Tomte nicht Tomte wenn diese Band es nicht auf ihre ganz eigene Art täte.
Überhaupt die Band! Man hört der neuen Tomte an, dass es ordentlich gerumpelt hat im Bandgefüge. Und das ist eine durchaus positive Nachricht! Die Band atmet wie sie noch nie geatmet hat und hat ihren Sound weiterentwickelt. Es schwingt und klingt und lebt und hat das Potenzial häufiger aus dem Plattenschrank gezogen zu werden, als das was für ein paar Wochen der heiße Scheiß der Saison ist! Kopf und Ohren auf: Es wimmelt nur so von magischen Momenten.
Ein kluger alter Mann hat einmal gesagt »ein gutes Album muss faszinieren, fesseln, Fragen stellen und Fragen beantworten, sollte anregen, verwirren, süchtig machen und irritieren«. Das mit dem alten klugen Mann ist natürlich erfunden, aber alles andere trifft auf das neue Tomte Album zu. Und so geht die Reise weiter, voran, voran, und man wandert durch die warme Nacht und hat den innigen Wunsch, der Lieblingssong der neuen Tomte möge nie zu ende gehen!
(domez)
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