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Yekaterina Golubeva, David Wissak
»Twentynine Palms«
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Twentynine Palms – Yekaterina Golubeva, David Wissak – Bruno Dumont – Filme, Kino, DVDs Kinofilm Beziehungsdrama – Charts, Bestenlisten, Top 10, Hitlisten, Chartlisten, Bestseller-Rankings
Twentynine Palms

Originaltitel Twentynine Palms
Genre Beziehungsdrama
Produktionsland/-jahr F/D/USA 2003
Produktion/Vertrieb Ufa/Second Order/Zorro Film
Filmlänge 118 Minuten
FSK-Altersfreigabe ab 18 Jahren
Kinostart 12.4.2007
DVD-Veröffentlichung 12.11.2007
SchauspielerInnen/
HauptdarstellerInnen
Yekaterina Golubeva
David Wissak
Regisseur(e)
Bruno Dumont
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Yekaterina Golubeva, David Wissak
»Twentynine Palms«
Kritiken — Infos — aktuelle Angebote

Der Fotograph David und die arbeitslose Katia verlassen Los Angeles in Richtung südkalifornische Wüste, um dort für ein Fotoshooting nach einer natürlichen und menschenleeren Kulisse zu suchen. In der Stadt Twentynine Palms finden sie ein Motel und verbringen fortan die Zeit in ihrem Geländewagen, mit dem sie schließlich die Joshua Tree Wüste entdecken. Während des Trips verirren sie sich und wo auch immer sie anhalten, treffen sie auf umfassende Leere. Wo zu Beginn der Reise noch Felder aus Windrädern die Einöde variieren, scheint sich zusehend alles zu entziehen. Staub, Steine, einige knorrige Bäume ... Dazu kommt die innere Leere zweier Menschen, die einander ihre tatsächlichen Bedürfnisse kaum vermitteln können. Über die ganze Zeit vollführen die beiden intensive Liebesakte an allen nur erdenklichen Orten. Sie lassen ihren Aggressionen freien Lauf, streiten, bekämpfen und liebkosen sich wieder, nur um die Schlichtheit ihrer Beziehung und des allzu gewöhnlichen Lebens hinter sich zu lassen. Doch plötzlich beendet etwas unvorstellbar Grausames und Böses ihre Reise brutal und abrupt. (Amazon)
»Twentynine Palms« – die emotionsgeladene Beziehung eines Fotografen zu seinem russischen Model: Ein Paar in der kalifornischen Wüste, er ist Fotograf, sie ohne Arbeit. Auf der Suche nach malerischen Schauplätzen streiten sie pausenlos und vögeln unablässig. Der Trip endet in Blut und Gewalt. Erschütternd? Oder prätentiös? Was will uns Regisseur Bruno Dumont mit den quälend langen Einstellungen sagen? Warum sind seine Figuren so unsympathisch? Weshalb zeigt er die Nacktheit der Frau ungenierter als die des Mannes? Ist sein Film eine profunde Meditation über den Abgrund zwischen Mann und Frau? Empfehlenswert? Nur auf eigene Gefahr! (Cinema)
Der Fotograf David und sein Modell Katia fahren durch die kalifornische Wüste. In diesem endlos leeren Land suchen sie einen Hintergrund für ihre Fotos. Sie streiten sich, sie versöhnen sich, sie haben Sex. Dann beginnt der Zyklus von vorne ... Ein irritierendes Meisterwerk von Bruno Dumont.

Die Welt um das kleine Wüstenstädtchen »Twentynine Palms« ist feindlich: Wenn das Pärchen über die Straße geht, wird es bereits von vorüberfahrenden Rednecks beschimpft. Und tatsächlich scheinen der cooler Fotograf und das filigrane Model im Kaputzen-Shirt so gar nicht in diese erstarrte Umgebung zu passen. Doch meist sind die Straßen menschenleer und niemand stört sich daran. Einmal gehen sie in einen Supermarkt mitten in der Wüste, der eine ernorme Produktpalette vorrätig hält – und keine Kunden weit und breit. Solche Bilder haben etwas Bizarres – und stehen wohl genuin für das, was der französische Filmemacher Bruno Dumont über Amerika denkt: Konsumismus, latente Aggressionen, aber meistens: Leere (darin ähnelt er seinem Kollegen Jean-Luc Godard).Vorbei ist die cineastische Verklärung des europäischen Blicks auf die USA aus den wehmütigen Filmen von Wim Wenders: Das Amerika von »Twentynine Palms« ist eine Chiffre, ein Symbol jener existenziellen Leere, die mehr und mehr von dem Film und seinen Protagonisten selbst Besitz ergreift. Und irgendwann stellt sich die bange Frage: Was existiert jenseits dieser Leere?

Selten hat man im aktuellen Kino unromantischere Liebesszenen gesehen als in den Filmen Bruno Dumonts. Wo ist das »edle Gefühl« des klassischen Kinos geblieben, wenn wir in langen Sequenzen das Maschinelle der Selbstbefriedigung unserer Protagonisten bezeugen müssen? Monotones Aufeinanderprallen der Leiber, dann ein Orgasmusschrei als verzweifelte Existenzbezeugung – die wiederum nur Unsicherheit hinterlässt. Für die Frau ist die immer wieder behauptete »amour« der Rettungsanker, für ihn möglicherweise die Hoffnung auf den nächsten Sex. Einmal halten sie mitten in der Wüste, um am Rande eines Felsmassivs miteinander zu schlafen, doch sie bricht ab: Sie sei zu trocken. Das nackte Paar besteigt den Sandsteinfelsen und drapiert sich kunstvoll in der Sonne: Zwei verletzliche, blasse Leiber, einander abgewandt, zu einem Tableau erstarrt. Dieses Bild atmet all die verzweifelte Poesie dieses Films, man wird es kaum vergessen. Ebenso wenig wie einen Moment, wo die Frau im Swimmingpool des Motels treibt – einer künstlichen, blauen Oase mitten im Staub – nur beschattet von einer einzelnen Palme ...

Neben das Nichts stellt Dumont hier mehr und mehr den Untergang: Wie der anonyme Mostertruck aus Steven Spielbergs Horrorszenario »Duell« (1971) taucht immer wieder ein mysteriöser Van auf: In der Einsamkeit der Wüste wird jedes Wesen unvermittelt zum potenziellen Feind. Und so kann man nach dem ersten Erscheinen dieser »Drohung« kaum noch davon sprechen, in diesem Film ereigne sich kaum etwas – vielmehr zieht Dumont die Schraube der Eskalation derart langsam an wie selten ein Film zuvor: Zwei Stunden Leere in Cinemascope – ohne Musik und nennenswerte Dialoge – münden schließlich in ein Inferno sinnloser Zerstörung, das man so nicht erwartet hat – und auch nicht wirklich herbeisehnte.

Dumont, der zuvor Philosophielehrer war, entwirft in seinem bislang dritten Spielfilm eine Welt ohne Sinn und Bedeutung. Seinen nicht einmal mehr sinnsuchenden Protagonisten bleibt kaum ein Ausweg: keine zärtlichen Emotionen, kein zwischenmenschliches Vertrauen, kein Verständnis. Sie irren durch eine kalte Welt ohne Bezüge. Dumonts Reise begann vergleichsweise konventionell mit »Das Leben Jesu« (1996), einem Drama um latenten Rassismus auf dem französischen Land, das in selbstzweckhafte Gewalt mündet. Sein zweites Werk »L’Humanité« (2000) zeigt die Leere des ländlichen Mittelstandes, der nicht einmal durch einen Mädchenmord aus dem stupiden Gleichgewicht gerät; und »Twentynine Palms« nutzt wie »L’Humanité« Bilder der öden Weite als Spiegelbild der Seele seiner Handelnden.

Eine Selbstvergewisserung in der Sexualität erklärt Dumont für gescheitert. Was einst »poetisch« verklärt wurde, erscheint hier reduziert auf eine leerlaufende Instinktwelt. Bruno Dumont hat Film als philosophisches Medium neu erschlossen: Er nutzt das audiovisuelle Instrumentarium, um sein Publikum rückhaltlos mit Sinnleere und Vergänglichkeit zu konfrontieren. Wesentliches Mittel ist dabei die (an konventionellen Erwartungshaltungen gemessene) dramaturgische ‘Unzuverlässigkeit’ seiner ‚Erzählung’. Es reicht ihm statt dessen, eine Ausgangssituation zu schaffen, die zugleich den Leerlauf der Existenz demonstriert und das katastrophische Chaos fataler Entwicklungen ermöglicht.

Die Filme von Bruno Dumont sind unangenehm und gnadenlos, Angriffe auf die Sinne, die Geduld und die Ethik des Zuschauers. Dabei ist jener unbedingte Wille zur »Poesie« aus dem traditionellen französischen Sozialdrama (etwa des poetischen Realismus’ eines Marcel Carné) gewichen. Was bleibt, sind existenzielle, elementare Dramen über Leben und Vergehen – über eine Existenz angesichts des alles verschlingenden »Nichts«.

»Twentynine Palms«, ein Film, der einem linearen, illusionistischen Erzählkino amerikanischer Prägung ferner kaum sein kann, erweist sich als ein bedeutender Schritt in Richtung filmischer Philosophie – fähig Dinge zu reflektieren und Emotionen zu erzeugen, an denen Worte mitunter scheitern müssen. ..

(Marcus Stiglegger, Zorro Film)
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