»Heinz und Fred – Ein Königreich für den Sohn« Kritiken Infos aktuelle Angebote
»Heinz und Fred« ist eine Dokumentation, die einen Vater und seinen Sohn bei der täglichen Arbeit, der Reperatur alter Maschinen, begleitet. Das einfühlsame Vater-Sohn-Porträt »Heinz und Fred« erzählt gleichzeitig über ein tätiges Leben jenseits von angestellter Erwerbsarbeit und das mitten in Deutschland. (VideoMarkt)
Heinz und Fred wohnen und arbeiten zusammen. Doch Vater Heinz und Sohn Fred, die in den Gebieten des ehemaligen Kupferbergbaus am Harz in Sachsen-Anhalt auf ihrem eigenen Gut leben, gehen keiner alltäglichen Tätigkeit nach. Sie reparieren und restaurieren uralte verrostete Maschinen. Egal ob Traktoren, Schiffe oder Autos, für alles haben die beiden noch eine Verwendung. Dabei arbeiten sie ohne Auftrag oder weiterführende Absicht. Früh morgens stehen sie auf, und abends gehen sie nach harter Arbeit früh ins Bett, umgeben von ihrem Reich aus Metall und Schrott. (Blickpunkt:Film)
Nach »Helbra« zieht es Regisseur Mario Schneider erneut in seine Heimat des Mansfelder Landes, um vom Leben seiner Bewohner zu berichten. Drehte sich sein Erstlingswerk aber noch um das harte Thema der Heroinsucht, widmet er sich diesmal einem bedächtigeren Motiv für seinen Dokumentarfilm. In langsamen Einstellungen erzählt der Regisseur von einem selbstbestimmten Leben jenseits des Mainstreams und der Würde der Arbeit. Trotz seines gemächlichen Tempos weiß der Film stets zu bannen und besticht durch eine gelungene Komposition. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden zeichnete den Film, der 2007 auf dem DOK Festival Leipzig lief, mit dem Prädikat »Besonders wertvoll« aus. (VideoWoche)
Wie in einem Königreich aus alten Maschinen und Schrott leben Vater und Sohn in ihrer eigenen Welt. Die mystisch-märchenhafte Erzählstimme und der geschickte Einsatz der Musik entführen den Zuschauer in eine andere Zeit, die auch filmisch ihrem eigenen Rhythmus folgt. Mario Schneider schafft zwischen dem detailgetreu Dokumentierten und dem Gestalteten eine kunstvolle Balance, die auf sehr reizvolle Art häufig surreal anmutet. Ein besonderes Lob gilt auch Peter Badel, der mit seiner Kamera pure Alltagspoesie eingefangen hat. Prädikat: »Besonders wertvoll«. (Filmbewertungsstelle Wiesbaden)
Heinz und Fred, Vater (69) und Sohn (25), leben unter einem Dach im kleinen Ahlsdorf im Mansfelder Land, mitten in Deutschland. Sie sind unzertrennlich und bewohnen ein riesiges Reich aus Stahl und Schrott. Unzählige uralte kaputte Maschinen haben sie bisher restauriert. Traktoren, Kräne, Bagger, Flugzeuge, Schiffe. Überall liegen die Zeichen vergangener und zukünftiger Arbeit.
Doch in allen Einzelteilen schlummern neue Ideen, neue Aufgaben. Heinz und Fred erwecken die Schrauben, die Kabel, die Bleche zu neuem Leben. Sie arbeiten ohne Auftrag und ohne Absicht der Verwendung. Sie stehen jeden Morgen um sechs gemeinsam auf und gehen abends, nach einem Tag harter Arbeit früh zu Bett. Es gibt viel zu tun.
(42film Filmproduktion)
Das Märchen spielt im Mansfelder Land, wo schwarze Kegel in den Himmel ragen und die Menschen mit gemütlicher Zunge sprechen. Der Junge Fred und Heinz, sein Vater, haben sich ihr Reich selbst geschaffen, es beginnt hinter dem großen Tor. Das Tor markiert das Drinnen und das Draußen. Wenn sich seine Flügel schließen, weil Heinz weggefahren ist, läuft der Junge unruhig auf und ab. Ein Junge, der nach dem Tod der Mutter lange nicht mehr sprach. Worte sind nicht seine Art, sich auszudrücken. Die Welt vor dem Tor ist nicht von seiner Art. Sein Vater aber fand einen Weg, mit ihm zu kommunizieren.
Heinz und Fred sägen, fräsen, schweißen, bohren, schrauben, hämmern, stanzen, schleifen, was das Zeug hält. Zärtlich sind sie zu Motoren. Und weil es ja ein Märchen ist, machen sie Stroh zu Gold – aus einem Haufen Schrott wird ein neu glänzendes Wohnmobil. Aus Frühling wird Sommer, Herbst, Winter, und Heinz und Fred schleppen neues Altmetall auf ihren Hof ... Neben der Erzählung eines mundartlichen Sprechers, der Musik, die der überhöhten Geschichte einen würdigen Teppich ausrollt, und der geschickt mit Super-8-Rückblenden arbeitenden Struktur erzeugt vor allem Peter Badels Kamera tatsächlich Magie. So wurde von Außenseitern, Verlust und Liebe noch nicht erzählt. »Wenn nichts passiert, werde ich ewig leben« sagt Fred. »Das kann man nicht voraussehen.« Eben.
(Aus dem Programmheft vom Dokfest Leipzig 2007, Grit Lemke)