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»Elementarteilchen« ist Oskar Roehlers Adaption des gleichnamigen Skandalromans von Michel Houellebecq mit Starbesetzung. Lehrer Bruno (Moritz Bleibtreu) und sein Halbbruder, der Molekularbiologe Michael (Christian Ulmen), könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine wird vom Schuldienst suspendiert, weil er eine Elftklässlerin angegraben hat, dem anderen fällt der Wellensittich tot von der Stange. Der eine kann von nichts träumen außer Sex, der andere ist mit seinen knapp 40 Jahren immer noch Jungfrau. Vielleicht ist die Hippiemutter an den Problemen der Geschwister Schuld, die nur Sex im Kopf hat(te) und ihre Söhne bei den jeweiligen Großmüttern abstellte, um ihrem Jet-Set-Leben zu frönen. (Blickpunkt:Film)
Wie bei der Vorlage des französischen Literatur-Enfant-terrible Michel Houellebecq stehen auch bei Oskar Roehlers (»Der alte Affe Angst«) Umsetzung von »Elementarteilchen« zwischenmenschliche Beziehungen im Brennpunkt. Allerdings wurde der Skandalroman für die Leinwand weichgespült. Der Rest ist ein Schaulaufen deutscher Stars wie Martina Gedeck, Christian Ulmen, Franka Potente, Nina Hoss, Uwe Ochsenknecht, Jasmin Tabatabai, Michael Gwisdek, Corinna Harfouch, Herbert Knaup, Ulrike Kriener, Nina Kronjäger, Tom Schilling oder Moritz Bleibtreu, der auf der Berlinale 2006 für seine Hauptrolle einen Silbernen Bären erhielt. Die reißerische Abhandlung über Liebe und Triebe wird definitiv zahlreiche Abnehmer finden. (VideoWoche)
Michael und Bruno sind zwei äußerst unterschiedliche Halbbrüder. Da ihre Mutter ständig unterwegs war, wuchsen sie zeitweise getrennt voneinander auf. Michael ist Molekularbiologe und hat wenig Interesse an Frauen, Bruno hingegen rennt von einem One-Night-Stand zum nächsten. Als sie schließlich beide ihrer großen Liebe begegnen, scheint das Glück perfekt. Doch es währt nur kurz, denn beide Frauen erkranken schwer. Michael und Bruno müssen sich nun entscheiden, ob sie ihr Leben ein für alle Mal ändern wollen ... (Highlight Video)
Mit rund 240.000 verkauften Exemplaren ist »Elementarteilchen« ein Bestseller – ein Buch, dass man(n) lesen musste und nicht immer zu Ende las. Es gehört Mut dazu, Michel Houellebecqs Skandalroman über den postmodernen Mann Anfang des Jahrtausends zu verfilmen. Oskar Roehler wagt den Trip durch verwüstete Seelenlandschaften.
Nicht gerade aufmunternd die Geschichte von zwei Halbbrüdern, die – von der Hippie-Mutter vernachlässigt – getrennt voneinander bei ihren Großeltern aufwachsen und sich erst in der Jugend kennenlernen. Ihre Wege könnten unterschiedlicher nicht sein: Michel Djerzinski (Christian Ulmen) macht als Molekularbiologe Karriere und lebt seinen Trieb in der Wissenschaft aus, sucht nach Wegen zur Reproduktion ohne Sex, Bruno Klement (Moritz Bleibtreu) legt meistens Hand an sich, sobald er ein junges Mädchen sieht, und das ist bei einem Lehrer und verkrachten Schriftsteller nicht selten. Seine Avancen stoßen bei der Weiblichkeit auf wenig Gegenliebe. Was sie verbindet ist die Unfähigkeit zu Gefühlen, ein sexuelles Defizit, endlose Einsamkeit. Am Totenbett der Mutter finden sie sich wieder, zwei unglückliche Menschen, denen plötzlich doch das Ass im Leben winkt. Der schüchterne Michel trifft seine alte Jugendliebe wieder, die ihn »aufweckt«, Bruno in einem Nudistenclub eine sensible Frau ohne Prüderie, die sich mit ihm im Swingerclub verlustiert.
Michel Houellebecq negiert jegliches positive Ende, Oskar Roehler möchte ein Quentchen Hoffnung und entschärft die gesellschaftliche und emotionale Bombe. Auch wenn beide Frauen blindwütig das Schicksal trifft und die Partner unterschiedlich auf die persönliche Tragödie reagieren. Dem französischen Literaten wurde vieles zugeschrieben – eine Abrechnung mit der 68erGenration, beißende Gesellschaftskritik, diffuse Philosophie, ausgeprägte Frauenfeindlichkeit und Ekel vor der Welt, vielleicht
auch vor sich selbst. Also eigentlich eine gute Kombination mit Roehler, dem nicht gerade ein großes Harmoniebedürfnis nachgesagt wird.
Die Verfilmung des Romans »Elementarteilchen« ist ein Unterfangen, bei dem sich wohl jeder verheben kann oder muss. Oskar Roehler lässt seine kaputten Helden durch die Hölle gehen und mit den inneren Dämonen kämpfen, sich an der Wirklichkeit die Seele wundreiben Hinter dem sexuellen Akt steht Leere. Drei Jahre Drehbucharbeit, 15 Drehbuchfassungen, die Umsetzung mit allem was in Deutschland einen Namen hat – neben Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Martina Gedeck und Franka Potente spielen Nina Hoss, Uwe Ochsenknecht, Michael Gwisdek, Corinna Harfouch, Herbert Knaup, Jasmin Tabatabai, Ulrike Kriener, Nina Kronjäger, Tom Schilling. Produzent Bernd Eichinger, der auch am Drehbuch mitschrieb, aber auf eine Erwähnung verzichtet, kürzte die erste Filmfassung schon mal um 40 Minuten.
Wer »Elementarteilchen« mit der eigentlich unverfilmbaren Vorlage vergleicht, wird sich über das Fehlen jeglicher Philosophie oder Gesellschaftskritik wundern, Roehler stürzt sich auf das Vordergündige, die Verlorenheit des Individuums, seine Zerrissenheit und Sex als Kampfzone, scheut auch vor publikumswirksamen Humor nicht zurück. Eine Art Michel Houellebecq light ohne den originären Zynismus oder verletzende Kälte.
Das Drama entwickelt nach einer ausgedehnten Exposition durch Rückblenden in der zweiten Hälfte seine Qualitäten, vor allem durch die weiblichen starken Charaktere. Martina Gedeck brilliert als sinnliche und außergewöhnliche Frauenfigur, die die Angst vor dem Tod überwindet. Houellebecqs Blick auf die Welt schockte mit Tabubrüchen, tat weh. Oskar Roehler gibt sich versöhnlich: Für ihn ist Liebe möglich.
(Blickpunkt:Film)
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