Ismail Beşikçi, Beriwan, Abdulkadir Aygan, Uli Çekdar
»Close up Kurdistan«
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| Originaltitel |
Close up Kurdistan |
| Genre |
Dokufilm |
| Produktionsland/-jahr |
D 2007 |
| Produktion/Vertrieb |
mîtosfilm |
| Filmlänge |
104 Minuten |
| FSK-Altersfreigabe |
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| Kinostart |
6.12.2007 |
| DVD-Veröffentlichung |
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SchauspielerInnen/ HauptdarstellerInnen
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Ismail Beşikçi Beriwan Abdulkadir Aygan Uli Çekdar Ali Yilderim Orhan Miroglu |
Regisseur(e)
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Yüksel Yavuz
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Ismail Beşikçi, Beriwan, Abdulkadir Aygan, Uli Çekdar
»Close up Kurdistan«
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»Close up Kurdistan« zeigt das Schicksal kurdischer Familien in der Türkei. Der in Deutschland lebende Yüksel Yavuz erinnert an den »schmutzigen Krieg«, den das türkische Miltär in den 80er- und 90er-Jahren gegen die Kurden führte. In der Türkei traf er auf Menschen, die jahrelang gefoltert wurden und die Hoffnung auf Versöhnung dennoch nicht aufgegeben haben. Eine Haltung, die auch Yavuz’ Film »Close up Kurdistan« bestimmt – eine Nahaufnahme voller Mitgefühl und Trauer, aber ohne Hass. (Cinema)
In dem Dokumentarfilm »Close Up Kurdistan« stellt der Regisseur Yüksel Yavuz eine Verbindung zwischen seiner persönlichen Geschichte als Immigrant und dem aktuellen Stand des türkisch-kurdischen Konflikts her. Seine Reise beginnt in Hamburg, wo er heute lebt, führt ihn nach Stockholm und in die Türkei und endet im Flüchtlingslager Maxmur im irakischen Kurdistan. Nach dem Besuch bei seinen Eltern im Dorf begegnet er Verwandten, alten Freunden und anderen Protagonisten in Ankara, Istanbul, Diyarbakir, in ländlichen Gebieten und im kurdischen Teil vom Irak.
Auf seinem Weg trifft er auf unterschiedliche Menschen und ihre Schicksale – Menschen, die sowohl noch in der Türkei, als auch im europäischen Exil leben. Einer seiner Protagonisten ist Dr. Ismail Beşikçi, ein Intellektueller, der auf Grund seiner Forschungen auf dem Gebiet der kurdischen Kultur 17 Jahre in türkischen Gefängnissen verbracht hat.
Auf der anderen Seite gibt es Abdulkadir Aygan, der für einige Jahre als »Contra-Guerilla« im »schmutzigen Krieg« gegen die kurdischen Oppositionellen vorgegangen ist. »Close Up Kurdistan« erzählt eine Geschichte, die politische Fakten mit persönlichen Schicksalen verbindet. Ali Yilderim, Ex-Soldat, stammt aus Amasya, einer Provinzstadt in Zentralanatolien. Nach der Grundausbildung wurde er, wie die meisten Soldaten der türkischen Armee, in das Kriegsgebiet nach Türkisch-Kurdistan geschickt. Heute lebt er in Istanbul.
(mîtosfilm)
Die Protagonisten
Dr. Ismail Beşikçi ist einer der wichtigsten Wissenschaftler und Intellektuellen der Türkei. Er hat schon zu Beginn seines wissenschaftlichen Werdeganges, als das Thema noch ein Tabu war, über die Existenz des kurdischen Volkes geschrieben. Geboren ist er 1939 in Corum in Zentralanatolien. Als er im Jahre 1962 an der Atatürk Universität in Erzurum an der soziologischen Fakultät assistierte, wurde er in das kurdische Gebiet geschickt, um seinen Militärdienst zu leisten. Dort wurde er mit der kurdischen Realität konfrontiert. Seitdem hat er sich dem Thema »Kurden« angenommen und darüber mehr als 30 wissenschaftliche Bücher geschrieben. Der Preis dafür war allerdings sehr hoch und grausam zugleich. Gegen ihn wurden wegen der Veröffentlichungen und Äußerungen zu der kurdischen Realität und der kemalistischen Staatsideologie über 200 Gerichtsverfahren eingeleitet. Er saß mit kurzen Unterbrechungen insgesamt 17 Jahre im Gefängnis. Wie oft er von der Polizei abgeholt und verhört wurde, erinnert er sich nicht mehr. Seine Verleger und Verteidiger mussten ins Ausland fliehen, weil sie politisch verfolgt wurden. Aber er blieb fest entschlossen und hat im Gefängnis und später zu Hause seine Forschungsarbeiten über die Kurdische Frage weitergeführt. Heute lebt er in Ankara.
Beriwan, Ex-Guerrillakämpferin, stammt aus Cizre im kurdischen Teil der Türkei. Sie hat sich schon im Alter von 14 Jahren der kurdischen Guerrillabewegung angeschlossen. Sie wurde mehrfach verletzt, bevor sie sich nach 10 Jahren in Europa abgesetzt hat.
Abdulkadir Aygan, Ex-Kontra-Guerrilla, stammt aus Urfa, ebenfalls im kurdischen Teil der Türkei, und ist einer der bekanntesten Überläufer der PKK. Während des Militärdienstes auf Zypern ist er aus der Armee geflüchtet und hat sich der PKK angeschlossen. 1985 hat er sich den türkischen Sicherheitskräften ergeben. Unter Anwendung des »Reuegesetzes« kam er 1990 frei. Nach der Entlassung leistete er den restlichen Militärdienst ab und kam später zur siebenköpfigen JITEM-Kadergruppe in Diyarbakir, die durch den Armeeoffizier Ahmet Cem Ersever gegründet worden war. Er war 10 Jahre lang im Dienst des JITEM (Nachrichtendienst und Terrorabwehr der Gendarmerie), der für die zahlreichen politischen Morde an kurdischen Oppositionellen verantwortlich ist. Durch seine Geständnisse wurden einige Morde aufgeklärt, jedoch von den türkischen Behörden nicht strafrechtlich verfolgt. Die Existenz von JITEM wird heute noch vom Staat geleugnet. Heute lebt er mit seiner Familie im schwedischen Exil.
Uli Çekdar, Ex-Guerrillakämpfer, einer von über 20 Deutschen, die sich im Laufe des türkisch-kurdischen Krieges den Guerrillas angeschlossen haben. Um dem Wehrdienst zu entgehen, zog er Mitte der achtziger Jahren nach West-Berlin. Dort lernte er viele kurdische Immigranten und Flüchtlinge kennen. Um sich ein Bild vom türkisch-kurdischen Krieg und der deutschen Mitschuld zu machen, ging er 1993 zu der Guerrilla nach Kurdistan und blieb zwei Jahre dort.
Er lebt in Berlin.
Orhan Miroglu stammt aus Mardin/Midyat, im kurdischen Teil der Türkei. Er arbeitete als Lehrer für Literatur an einem Gymnasium in Diyarbakir, als er ein Jahr nach dem Militärputsch 1980 verhaftet wurde. Er saß insgesamt 6 Jahre in dem berüchtigten Militärgefängnis von Diyarbakir, wo die ganze kurdische Opposition inhaftiert war. Bei einem Attentat durch »JITEM« ( Nachrichtendienst und Terrorabwehr der Gendarmerie) auf den kurdischen Schriftsteller und Intellektuellen Musa Anter wurde er schwer verletzt und war einige Monate gelähmt. Nach seiner Genesung schrieb er das Buch »Dijwar« über das Attentat und seine Erfahrungen im Gefängnis von Diyarbakir. Dem folgten weitere Bücher über die »Kurdenfrage«. Er ist Mitglied des Vorstandes der prokurdischen Partei der Demokratischen Gesellschaft (DTP) und lebt in Ankara.
Eyse Sipendarik, Flüchtling, stammt aus einem Dorf in der Provinzstadt Sirnak im kurdischen Teil der Türkei. Als die Dörfer bombardiert wurden, verließ sie die Türkei zu Fuß über die Grenze in den kurdischen Teil des Irak. Ihr Ehemann ist vermisst. Ihre zwei Söhne waren bei der Guerilla, wurden verhaftet und sitzen seitdem in türkischen Gefängnissen. Eine ihrer Töchter ist nach wie vor bei der Guerilla. Sie selbst lebt mit 12 Tausend weitere Kurden im Flüchtlingslager Maxmur im Irak, und wartet darauf, eines Tages doch noch in ihr Heimatdorf zurückzukehren.
(mîtosfilm)
Hintergrund: Der türkisch-kurdische Konflikt
Das Osmanische Reich herrschte ab dem 16. Jh. auf drei Kontinenten: Vorderasien, Nordafrika und Balkan. Ein Vielvölkerstaat, aus dem die heutige Türkei hervorging.
Im Laufe der Bildung der Türkischen Nation fand 1915 das erste Massaker in der Menschheitsgeschichte statt: Der Genozid an den Armeniern. Der Genozid wird in der Türkei noch bis heute geleugnet. Kurden waren nicht unwesentlich an ihm beteiligt. Die Kemalisten unter der Führung von Atatürk (Vater der Türken) gründeten 1923 eine westlich orientierte, laizistische Republik, die auf den Grundidealen »Ein Staat, eine Sprache, eine Religion, eine Nation« basierte. Nicht nur die Kurden, auch andere ethnische und religiöse Minderheiten mussten stark unter dieser Ideologie leiden. Ihre Existenz, Sprache und Kultur wurden durch die neuen Machthaber rigoros verleugnet. Daraufhin kam es schon in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts zu mehreren kurdischen Aufständen, die blutig niedergeschlagen wurden.
Die Kurden sind eines der ältesten Völker Mesopotamiens. Doch trotz ihrer ca. 40 Millionen Menschen haben sie immer noch keinen Staat oder anerkannten Status. Die meisten von ihnen, etwas 25 Millionen, leben in der heutigen Türkei. Bis vor einigen Jahren durfte man sich in der Türkei weder als Kurde bezeichnen, noch die Sprache sprechen.
Die 1978 gegründete PKK begann im August 1984 unter der Führung von Abdullah Öcalan im kurdischen Teil der Türkei mit dem bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat. Er dauerte bis zur Verhaftung Öcalans im Februar 1999 an. Anfangs war das Ziel die Errichtung eines unabhängigen kurdischen Staates im Osten und Südosten der Türkei. In den Neunziger Jahren erreichten die bewaffneten Auseinandersetzungen dieses »schmutzigen Krieges« ihren Höhepunkt. Massenhafte Verhaftungen und Folter standen auf der Tagesordnung. Die staatlichen Sicherheitsorgane warfen dabei alle Regeln über Bord. Unaufgeklärte Morde, Verschleppungen der Oppositionellen und Folterungen waren alltäglich. Die Medien im Lande verschwiegen die Gewalt, die von der kurdischen PKK und vom türkischen Militär, der Polizei und der vom Staat eingesetzten paramilitärischen Einheiten begangen wurde.
Dem »schmutzigen Krieg«, der 14 Jahre andauerte, fielen nach inoffiziellen Zahlen 100.000 vor allem junge Menschen zum Opfer – auf beiden Seiten. Fünf Millionen mussten bis heute aus ihren Heimatstädten und -dörfern fliehen. Die militärischen Einsätze im kurdischen Teil der Türkei dauern bis heute an.
Inzwischen ist die PKK von ihrem anfänglichen Ziel abgerückt. Sie plädiert für eine kulturelle Autonomie für Kurden und einen politischen Föderalismus, der im Zuge des Beitritts der Türkei in die Europäische Gemeinschaft – so die Hoffnung – eingeleitet werden könnte. Trotzdem hält sich immer noch eine Truppe von drei- bis viertausend militanten Kämpfern an der iranischen Grenze im Nordirak auf. Sie warten auf eine politische Generalamnestie, aber auch darauf, dass sich in der Kurdenfrage in der Türkei etwas bewegt.
Im Nordirak wurde nach der Besatzung des Iraks durch die alliierten Streitkräfte die schon bestehende Föderative Kurdische Regionalverwaltung gefestigt. Deren Hauptstadt ist Arbil (Hewler). Diese neue Situation im Nordirak wird als ein wichtiger Schritt bei der Errichtung eines unabhängigen Kurdistans betrachtet. Viele Kurden im europäischen Exil, ehemalige PKK-Militante, die sich von der Organisation politisch losgelöst haben, setzen sich in den Nordirak ab. Dort sind große Flüchtlingslager entstanden, u.a. das Lager Maxmur. Anders als im Rest des Iraks herrscht in den kurdischen Gebieten im Irak Sicherheit und die Wirtschaft wächst enorm. Aber das beeinflusst das Leben der Flüchtlinge in Maxmur kaum. Sie sind weder als Flüchtlinge anerkannt noch sind sie der neuen kurdischen Regionalverwaltung unterstellt.. Sie warten auf ein politisches Signal aus Ankara. Sie hoffen, eines Tages doch noch in ihre von den türkischen Sicherheitskräften zerstörten Dörfer nahe der türkisch-irakischen Grenze zurückzukehren und sie erneut aufzubauen.
(mîtosfilm)
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