»Übergewicht« und »Idealgewicht« lassen sich eindeutig definieren!
Falsch!
Wo das Normal- oder Idealgewicht aufhört und das Übergewicht anfängt, das ist alles andere als eindeutig.
Das Idealgewicht sollte eigentlich das Körpergewicht sein, bei dem der allgemeine Gesundheitszustand und
damit die Restlebenserwartung maximiert ist. Das ist nach neuesten Erkenntnissen aber nicht beim so
genannten »Idealgewicht«, sondern bei leichtem »Übergewicht« der Fall.
Bis vor einigen Jahren war das Ermitteln des Idealgewichts ganz einfach: es galt die Faustformel
»Größe minus 100 minus 10 Prozent« für Männer und »Größe minus 100 minus 15 Prozent«
bei Frauen. Inzwischen weiß man, dass solch eine Formel viel zu ungenau ist, denn außer Körpergröße und
Geschlecht wirken noch viele andere Faktoren wie Alter, Erbanlagen und Stoffwechsel-Besonderheiten auf das
Idealgewicht, und wenn alle diese zusätzlichen Werte in die Rechnung einbezogen werden, reicht der allgemeine
Rahmen für die Empfehlung des Idealgewichts so weit, dass er schon wieder nutzlos ist.
Wenn wir also in diesem Artikel - trotz der Definitionsprobleme - von »Idealgewicht« und
»Übergewicht« sprechen, meinen wir damit die derzeit gängige (aber umstrittene) Festlegung.
Übergewicht ist generell ungesund!
Falsch!
Leicht übergewichte Menschen haben eine höhere durchschnittliche Lebenserwartung als Ideal- und Untergewichtige.
Das eigentlich Problem ist Adipositas (krankhaftes Übergewicht). Nach neuesten Studien nimmt die Anzahl der
adipösen Kinder rapide zu - sie hat sich innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Und auch bei Erwachsenen geht die
Tendenz eindeutig zu immer stärkerem, krankhaftem Übergewicht. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
(DGE) ist starkes Übergewicht bei Kindern ein typisches Phänomen sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen mit
geringem Bildungsstand.
Prof. Volker Pudel von der DGE betont: »Für viele Patienten mit Ess-Störungen bedeutet Nahrungsaufnahme
eine permanente Bedrohung. Essen hat für sie eine psychische Dimension. Nicht Appetit auf Schmackhaftes, Genuss
oder gar echter Hunger prägen ihr Essverhalten. Die Angst vor Kalorien beherrscht ihr Essen und ihre
Lebensmittelauswahl. Bis dann in der Fressattacke die rigide Kontrolle total zusammenbricht«. Laut DGE
leiden in Deutschland etwa 20 bis 25 Prozent der Menschen unter Ess-Störungen, sei es »Anorexia
nervosa« (Magersucht), die »Bulimia nervosa« (Bulimie, Ess-Brech-Sucht) oder das »Binge
eating disorder« (Ess-Sucht).
Diäten machen dünn!
Falsch!
Wir Deutschen werden immer dicker. Laut einer internationalen Studie nehmen wir einen weltweiten Spitzenplatz
unter allen Industrienationen ein - gemeinsam mit den USA. Auch wenn die Studie umstritten ist: Tatsache ist,
dass es hierzulande immer mehr Menschen mit erheblichem Übergewicht gibt. Und das trotz einer fast hysterischen
Besessenheit mit Abnehm-Prozeduren aller Art. Kaum eine (Frauen-)Zeitschrift, in der nicht mehrmals pro Jahr
eine neue, garantiert einfache und wirksame Diät präsentiert wird. Kurzzeitdiäten sind schon seit über
fünfzehn Jahren eine Art Volkssport.
Aber warum werden wir dann immer dicker? Ganz einfach: Weil Diäten eben nicht dauerhaft dünner machen, sondern
das Gegenteil bewirken. Und das gilt für ausnahmslos alle Diäten, die darauf abzielen, die Kalorienzufuhr über
einen begrenzten Zeitraum - sei es für einen Tag, für eine Woche oder für einen Monat - zu reduzieren, um
danach wieder die üblichen Mengen zu verzehren.
Der Grund dafür ist schon lange unter der Bezeichnung »Jo-Jo-Effekt« bekannt: Unser Körper schaltet
während der Diät erst einmal auf »Sparflamme« um, eine Art Notfallprogramm, und verbraucht weniger
Kalorien. Aber nicht nur das, die Diät bewirkt noch mehr: Von jetzt an wird unser Körper jegliche Nahrung,
die wir zu uns nehmen, noch besser verwerten als zuvor und vorbeugend (für den nächsten »Notfall«)
noch mehr Vorräte in Form von Fettzellen anlegen. Dieses intelligente Verhalten unseres Körpers war für unsere
Steinzeit-Vorfahren überlebenswichtig. Ohne diesen Mechanismus hätten wir heute keine Probleme mit Übergewicht,
denn der Homo sapiens wäre dann spätestens während der letzten Eiszeit ausgestorben.
Und genau darum kann eine Kurzzeitdiät keine langfristige Gewichtsreduktion bewirken. Um das zu erreichen, müsste
man nach jeder Diät dauerhaft weniger essen als vorher, um die nun bessere Verwertung der Nahrung auszugleichen.
Daher lautet der Ratschlag von Ernährungsexperten schon seit vielen Jahren: Keine Kurzzeitdiäten, sondern eine
langfristige, dauerhafte Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Und vor allem viel Bewegung, denn entscheidend
für das Körpergewicht ist nicht nur die Kalorienaufnahme, sondern auch der Kalorienverbrauch. Doch solche
Wahrheiten lassen sich im bunten Zeitschriften-Blättermarkt offensichtlich wesentlich schlechter verkaufen
als eine angeblich neue und »100-prozentig wirksame« Diät.
Dicke Menschen essen mehr als dünne!
Falsch!
Dicke Menschen essen zweifellos mehr, als sie zur Gewichtserhaltung brauchen. Aber sie essen im Durchschnitt
tatsächlich weniger als Dünne, so der Ernährungswissenschaftler Peter Wood von der Stanford Universität in
Kalifornien. Zahlreiche Ernährungsstudien kommen zum gleichen Ergebnis: »... es gibt eine hoch signifikante
negative Korrelation zwischen Kalorienverbrauch und Körperfett, und zwar für beide Geschlechter ...
gleichermaßen«. Das besagt nichts anderes, als dass unter ähnlichen Lebensumständen die
Vielesser in der Regel dünner sind und dass dicke Menschen in der Regel dick sind, nicht obwohl, sondern weil
sie soviel fasten. Denn der Energiebedarf unseres Körpers hängt stark von unseren Essgewohnheiten ab. Wer wenig
isst, trainiert den Körper, weniger von den Kalorien in der Nahrung zu verschwenden; also das Futter besser zu
verwerten, wie die Bauern sagen.
Die Gene sind Schuld!
Falsch!
Was sich im ersten Moment als bloße Ausrede vieler Übergewichtiger anhört, ist als plausibles Argument nicht von
der Hand zu weisen. Denn unsere Gene bestimmen entscheidend mit, in welchem Umfang der Organismus Nahrungsenergie
nutzt: Menschen mit niedrigem Grundumsatz haushalten sparsam und legen überschüssige Kalorien in Fettdepots an.
Wer einen hohen Grundumsatz hat, lässt mehr Nahrungsenergie ungenutzt. Je niedriger der Grundumsatz, desto größer
die Neigung zu Fettpolstern. Trotzdem ist Aussage »Die Gene sind Schuld« so nicht ganz richtig. Die
Gene fahren zwar ein festgelegtes Grundprogramm, aber dieses Programm wäre sinnlos wenn es nicht flexibel wäre
und die Erfahrungswerte unseres Körpers berücksichtigen würde - wobei wir wieder beim Thema »Diäten machen
dünn« wären (siehe oben).
Die Tipps der VIP-Redaktion (Zusammenfassung)
Machen Sie keine Kurzzeitdiäten!
Alle Diäten, die darauf abzielen, die Nahrungsaufnahme über einen begrenzten Zeitraum zu verringern, wirken
kontraproduktiv. Mit jeder Kurzzeitdiät trainieren Sie Ihren Körper auf bessere
»Futterverwertung«, was langfristig immer zu einer Gewichtszunahme führt. Wenn sie stark
Übergewichtig sind, hilft nur eine dauerhafte Umstellung Ihrer Ernährungsgewohnheiten ... und viel Bewegung.
Treiben Sie Sport!
Entscheidend für das Körpergewicht ist nicht nur die Kalorienaufnahme, sondern gleichermaßen der
Kalorienverbrauch. Ein langfristiger Erfolg beim Abnehmen ist nur in Verbindung mit regelmäßigen sportlichen
Aktivitäten möglich.
Achten Sie auf Ihren Körper!
Lassen Sie sich nicht von irgendwelchen Formeln verunsichern. Leichtes Übergewicht ist nicht gesundheitsschädlich,
solange Sie sich in Ihrem Körper wohlfühlen, sich bewusst ernähren und mit Genuss essen. Nagt Ihr Übergewicht
jedoch an Ihrem Selbstbewusstsein oder fühlen Sie sich unwohl, dann sollten Sie die ersten beiden Tipps
unbedingt beherzigen.
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