Maximilian Kusch
»Tageswahrheit – Heinrich Heines Bruch mit der dualistischen Denktradition der Moderne«
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Tageswahrheit – Heinrich Heines Bruch mit der dualistischen Denktradition der Moderne
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Reihe: Epistemata Literaturwissenschaft, Band 633
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Maximilian Kusch
»Tageswahrheit – Heinrich Heines Bruch mit der dualistischen Denktradition der Moderne«
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Sensualismus-Spiritualismus, Hellenen-Nazarener, Geist-Materie etc. Heinrich Heines Werk wird nach wie vor auf ein dominantes Denkmuster zurückgeführt: auf ein Denken in Gegensätzen. Maximilian Kusch stellt diese Annahme erstmals grundsätzlich in Frage. Anstatt das Gesamtwerk weiterhin auf Entzweiungs- und/oder Versöhnungsoptionen festzulegen, zeigt er, dass sich Heine bereits ab den 1830er Jahren zunehmend kritisch mit der dualistischen Denktradition und ihren im Wortsinne nicht mehr Zeit-adäquaten Ordnungsversprechen auseinandersetzt.
Denn spätestens seit dem 18. Jahrhundert hängt die Geschichte dualistischer Denkmodelle mit der Ausbildung eines linearen Zeit-Bewusstseins zusammen, das Kontinuitätserwartungen absichern soll, aber durch die raumzeitlichen Wahrnehmungsveränderungen um 1830 (Technik, Großstadt, Medien) grundsätzlich problematisch wird. Heines Ablösungsprozess von der dualistischen Denktradition führt bis ins Spätwerk hinein zu einer Ästhetik der Vorläufi gkeit, die um die Erfahrbarkeit des flüchtigen Augenblicks und der fragilen Tageswahrheit kreist. Diese Ästhetik bricht zugleich mit der binären Codierungstradition jener Moderne, die sich über das Zeit-Bewusstsein der Modernität und das Sinnversprechen der Zukunft definiert.
(Verlag Königshausen & Neumann)
Aus dem Inhaltsverzeichnis:
I. Von der Moderne zur Spätmoderne: Zeit-Bewusstsein und Ordnungsstrukturen
1. Der Zusammenhang von Zeit- und Systemstrukturen
2. Das Zeit-Bewusstsein der Moderne: Temporalisierung und Binarismen
3. Das Zeit-Bewusstsein im Vormärz: Temporalität und Simultaneität
II. Heinrich Heines Zeit- und Großstadtreflexionen
1. Begrenzung – Entgrenzung: Vorüberlegungen zu Heines Zeitdiagnosen
2. Frühe Zerrissenheits- und Großstadterfahrungen: Die Welt als »zusammengewürfeltes Lappenwerk»
III. Entstehung, Funktion und Problematik von Heines dualistischen Argumentationsmodellen um 1830
1. Positionierung im Kontext des Saint-Simonismus
2. Heinrich Heines dualistische Kulturtheorie
3. Modifikation des Sunsualismus-Konzepts
4. Aporien des Sensualismus-Konzepts
5. Fazit: Der Widerspruch des Denkmodells »Sensualismus – Spiritualismus»
IV. Gegendiskurs: Jetztzeit, »posthistoire«, »Lebenssucht« und das Ende der dualistischen Argumentation
1. Simultaneität und Temporalität: Heinrich Heines Großstadtberichte
2. Heines »posthistoire«: Die Dekonstruktion der Geschichte
3. Höhe- und Endpunkt der dualistischen Argumentation um 1840
4. Heines spätmoderne Argumentations- und Denkfiguren
V. Literaturliste
(Verlag Königshausen & Neumann)
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