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Wer sind wir Deutschen? Woher kommt unsere Identität? Und vor allem: Auf welche Werte kommt es an, damit Deutschland kein »Sanierungsfall« bleibt? – Kritisch und offensiv knüpft Ulrich Wickert an seinen Bestseller »Der Ehrliche ist der Dumme« an und fordert Ehrlichkeit im Denken. (buchreport.de)
Hier ist, aller Fesseln des bisherigen Tagesgeschäfts ledig, der offensive, kritische und gleichzeitig ironische Journalist Ulrich Wickert in Hochform. Er schreibt über das Land, das er, der Kosmopolit, immer noch am besten kennt und das ihm am meisten am Herzen liegt: Deutschland. Wer sind wir Deutschen? Woher kommt unsere Identität, die doch so verschieden ist von der etwa der Franzosen, Angelsachsen oder Holländer? Vor allem aber: Was sind die Werte, auf die es ankommt, damit Deutschland kein »Sanierungsfall« (Kanzlerin Merkel) bleibt? Ulrich Wickert knüpft an seinen Bestseller »Der Ehrliche ist der Dumme« an und fordert Ehrlichkeit im Denken, und das heißt vor allem auch: die Dinge offen beim Namen zu nennen. (Piper Verlag)
Gauner muss man Gauner nennen, meint Ulrich Wickert, der schon mit seinem Buch »Der Ehrliche ist der Dumme« seinem Unmut darüber Luft verschafft hatte, dass moralische Werte im täglichen Miteinander nicht mehr allzu viel zählen. Über kleinere (und auch manche größere) Gaunerei, mokierte sich der Autor damals, sähen viele allzu gern großzügig hinweg, weil so etwas für das persönliche Wohlleben oder den beruflichen »Erfolg« hin und wieder halt nötig sei.
Gegen diese moralische Gleichgültigkeit setzt der Autor auch diesmal seine »Sehnsucht nach verlässlichen Werten« und diagnostiziert erfreut, dass er damit nicht mehr ganz allein ist: »Der Kult des Individuellen, die Egogesellschaft samt ihren spaßkulturellen Ausprägungen geraten mehr und mehr unter Druck.« Als Ursache für die Rückbesinnung auf verlässliche Werte identifiziert er die von immer mehr Menschen angesichts kollabierender Sozialsysteme oder der wachsenden religiösen Fundamentalisierung in der globalisierten Welt tief empfundene Verunsicherung. Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit und Geborgenheit bringe es dabei notwendig mit sich, so der Autor weiter, dass die Menschen sich auch nach so etwas wie Selbstbewusstsein sehnten. Denn nur wer wisse, wer er ist, und sich selbst annehme, könne »Verlässlichkeit finden und selbst verlässlich sein«. Auch vor der Erörterung von Begriffen wie »Heimat« oder »Nation« scheut Wickert in diesem Zusammenhang nicht zurück und benennt auch moralische Defizite in der internationalen Politik, gegen die sich ebenfalls nur eine selbstbewusste Politik klar abgrenzen könne.
Bei all dem geht es dem Autor vor allem um seine »Vision« von einem »humanen Zusammenleben«. Nur wer sich seiner selbst gewiss ist, kann auch gegen Widerstände einen klaren Standpunkt beziehen, kann einen Gauner auch einen Gauner nennen. Beim bloßen Benennen, das weiß auch Wickert, darf es freilich nicht bleiben: »Wer sich nach verlässlichen Werten sehnt«, resümiert er am Ende des in der von ihm gewohnten Gefälligkeit geschriebenen Bandes, »muss letztlich über das bloße Benennen hinausgehen, er muss die Kraft und den Mut aufbringen, selber im Sinne der Gemeinschaft zu handeln«. Um dieses Thema also, so darf gemutmaßt werden, wird sich Autor in seinem nächsten Buch noch ausführlicher kümmern ...
(Literaturanzeiger, Amazon )
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